Samstag, 26. Dezember 2015

klopfende Postkarten wegen Lissabon ?



Die Postkarten zeigen Portugals Hauptstadt, wo unser erster Stop auf der Reise geplant ist.
Ausflüge sind gebucht, Pläne geschmiedet.


Wer sich die Karten genau anschaut, wird später eine spanische Briefmarke auf der Rückseite entdecken.
Wir haben momentan wir so viel Verspätung, dass wir morgen statt um 9 erst gegen 18 Uhr dort ankommen würden. 
Wegen der Winde und Wellen musste die Geschwindigkeit erheblich gedrosselt werden, und das heißt, dass keine Zeit für Lissabon übrig ist und wir gleich Kurs auf unser nächstes Ziel nehmen.
Wer sich nun wie ich, vermeintlich schlau, schon Karten gekauft und das Porto im Voraus bezahlt hat, der kann diese nun entweder über Bord werfen, sie als Lesezeichen verwenden, auf Gran Canaria einwerfen lassen, damit an Kabinenwände klopfen oder sich weitere Möglichkeiten einfallen lassen.
Schwieriger wird es dann werden, wenn noch mehr Häfen ausfallen.
Aber uns wurde versichert, wir hätten Glück. In 2-3 Tagen sei es wettermässig hier richtig übel. Doch da wo wir hinfahren, sollte es nicht schlechter, eher vielleicht besser werden. Wahrscheinlich jedenfalls.
Draußen wühlt sich der Wind weiter durch die Wassermassen -momentan vor dem "Ende der Welt " nahe bei Santiago de Campostella- und peitscht die aufsteigenden Wellen auseinander zu imponierenden weißen Gischtschleiern, deren Haltbarkeit sich auf Bruchteile von Sekunden beschränkt.
In der Kabine wackelt es Tag und Nacht. Schranktüren bewegen sich selbstständig, Möbel knarzen und Rohre knacken. Ein genervter Nachbar hat sich schon durch Klopfen an die Kabinenwand bemerkbar gemacht. Er hatte uns in Verdacht, mit einer Dose an die Wand zu klopfen! Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen!
Rita hat zurück geklopft, und schon stand er klopfend und aufgeblasen vor unserer Tür. Von seiner angestauten Wut blieb allerdings angesichts unserer Unschuld wenig übrig. Auch Rita hatte unter den Geräuschen in der Nacht gelitten. 
Erst wurden die dienstbaren Geister vom Schiff zwecks Problemlösung geholt, die haben das Problem dann nach oben weitergereicht.
Und wir gehen zum Essen...
Mal wieder...

Pflegeheim mit Arztbegleitung

Rita meint, eigentlich sei hier Vieles wie in einem Pflegeheim.
Ein bisschen stimmt es, ein bisschen ist diese Aussage natürlich auch übertrieben. Und so konnten wir diskutieren, ob wir in dem Zustand  und Alter mancher Passagiere noch eine derartige Reise machen würden. 
Beide waren wir überzeugt, dass wir dann nicht mehr reisen würden. Klar war uns aber auch, dass man so eine Frage erst beantworten kann, wenn es soweit ist, dass sie sich stellt.
So habe ich einen zwischen den Fahrstuhltüren  eingeklemmten Krückstock erlebt, der bei seiner Besitzerin Panik auslöste. Oder einen, vom Schlaganfall schwer gekennzeichnete Mann, der nur mit Hilfe eines ihm fremden Gastes von der Couch hochkam, um sich dann ohne Gehilfe mit großer Mühe fort zu bewegen. 
Bei diesem Seegang sicher zu laufen ist für jeden Passagier ohne Einschränkungen schon ein Kunststück.
Der Altersdurchschnitt liegt geschätzt bei 70, insgesamt tummeln sich hier wohl Reisende zwischen 55 und 90.
Ein Grund zum Daheimbleiben und dort Trübsal zu blasen ist das Alter sicher nicht! Im Pflegeheim ist dazu Zeit genug!
Ich kann nur sagen, alle Achtung vor den alten und gebrechlichen  Menschen, die sich noch hinaus in die Welt wagen!
Schade für den, keine Träume mehr hat. Der Clown hat sie noch...


Am 2. Tag der Reise lud der Schiffsarzt zu einem Kennenlernen ein. Ein etwa 75- jähriger Gynäkologe und ich waren die einzigen, die sich einfanden. Eine knappe Stunde haben wir mit nettem, teils recht informativem Smalltalk verbracht. Dann habe ich wegen aufkommender Übelkeit die beiden Herren alleine gelassen. Übelkeit wegen des Wetters natürlich!


Dafür habe ich mir aber ein paar Tage später die ganze Abteilung, d.h. die Arztpraxis und das sogenannte Schiffskrankenhaus zeigen lassen.



Große Medikamentenvorräte sind vorhanden, Röntgen, Ultraschall und weitere Untersuchungsmöglichkeiten. Außerdem 2 Betten, 2 Schwestern und natürlich der Herr Doktor mit seinen goldenen Abzeichen.
Notfalls können sie sogar veranlassen, dass ein Hubschrauber einen Patienten abholt. Natürlich hängt das von verschiedenen Faktoren ab, und unkompliziert ist es auch nicht. Ein Hubschrauber müsste nämlich über dem Schiff schweben, und der Patient würde über ein herabgelassenes Seil nach oben befördert. 
Am Tag 10 der Reise habe ich schon von einem Armbruch, einem Herzinfarkt und einem Krankenwagen an der Mole mit Belegung durch unbekanntes Ereignis gehört.
Diese Reise sei von den Johannitern empfohlen worden, als Tour, die man auch mit Handikap buchen könne. 
Das berichtet eine unserer "Tischdamen", nicht ohne sich gleichzeitig über die Anzahl der weniger Beweglichen zu beklagen, die ihrer Meinung nach durch diese Werbeaktion noch vergrößert worden sei. 
Der Doktor bekommt so wenigstens keine Langeweile.






Torkeln um die Wette

Am 1. Feiertag ißt man in Deutschland gerne Gänsebraten.
Also ist der auch hier, auf einem Schiff in deutscher Hand, im Angebot und echt gut gelungen. Zusammen mit viel zu vielen leckeren Vor- und Nachspeisen




artet das Festtagsmenue in Völlerei aus. 
Bei anderen Mahlzeiten besteht die gleiche Gefahr. Daher kann auch ruhig das leckere Fischcurry statt der leider unfotogen geratenen Gans als Exempel herhalten. Die Gans hat sich optisch nicht so gut gemacht.
Jedenfalls wird derjenige, der auf nichts verzichten möchte, schon am Hosenbund feststellen, was er davon letztendlich hat. Ausreichend körperliche Betätigung fällt bei mir wegen des Wellengangs aus.
Geschmeckt hat es mir jedenfalls gut. Ich habe eine elastische Hose dabei!
Der Weg vom Restaurant zu den Kabinen oder den diversen Bars und Lounges füllt sich nach der Mahlzeit mit lauter torkelnden Gestalten. 
Nicht dass nun einer denkt, man hätte uns heimlich oder unheimlich mit Alkohol abgefüllt!
Es ist der Seegang, der uns so zu schaffen macht!
Nicht umsonst hängen diese wunderbaren Vorratsbeutel mit Kotztüten an allen Treppenaufgängen!


Ich werde nun noch den Vollmond bewundern gehen, falls er nicht hinter Wolken verschwunden ist. Es soll ein ganz besonderes Exemplar sein, das sich nur selten an einem Weihnachtstag zeigt.
Erst 2034 soll es wieder so weit sein.
Aus dem Kabinenfenster ist die leuchtende Scheibe gut zu sehen. Sobald ich mich aufs Deck gequält habe, versteckt er sich hinter den rasenden Wolken. Nur für Sekunden taucht er immer mal wieder auf.


Danach wäre ein ausgiebiger Verdauungsspaziergang fällig...
Fällt leider aus bei heftigem Wind mitten in der Biskaya mit Wassertiefen um die 4000 Meter.

Freitag, 25. Dezember 2015

Schaukeln statt Schippern...

Meine Nacht ist früher zu Ende als geplant. Die Schiffsuhr wurde um eine Stunde zurückgestellt, und ich hätte bequem den faulen Lenz pflegen können. Aber gerade dann schlägt die präsenile Bettflucht zu!
Lesen macht aber auch Spaß und wenn's reicht, dann lockt hier an Bord das Frühstück, das man nicht selber zubereiten muss! 
Heute probiere ich es erstmals im Lido, das heißt draußen. 
Es stürmt und schaukelt tüchtig. Mal sieht man den Horizont und eine große Wasserfläche, dann wieder ist er völlig verschwunden. Und so geht das pausenlos. Obwohl ich mich am Heck des Schiffes befinde, ist der Seegang erträglich und in der Nähe des Buffets auch relativ warm
Die weihnachtliche Außentemperatur beträgt 14, das Wasser hat 13 Grad.  
Wir schaukeln also auf und ab, dem Ausgang des Ärmelkanals entgegen und haben noch nicht einmal die Hälfte der Strecke bis Lissabon zurückgelegt.


Gegen 10 haben wir 640 Seemeilen zurückgelegt, 780 sind es noch bis dorthin. 


Während wir gestern 9 Windstärke hatten bei 79 km/h und Seestärke 5 -grobe See genannt- unterwegs waren, heißt es heute: atlantische Dünung, und die Windstärken erreichen Werte deutlich über 100 km/h. Während die Wassertiefe im Ärmelkanal um die 40m liegt, müssten wir jetzt bereits 70m tauchen, um auf festem Boden zu stehen. 
Demnächst wird abgebogen in die Biskaya. Wir sollen die Türen geschlossen halten, uns am Geländer festhalten und so weiter. An Deck ist alles mögliche gesperrt.
Aber wir hätten Glück, meint der Kapitän. Vor 3 Tagen sei es hier richtig heftig zugegangen. 
Na denn, ich warte mal ab. Gestern hat mich ein einziger Superpep Kaugummi schon vor größeren Übeln bewahrt.


Mittlerweile habe ich schon 2 Tabletten intus. Es ist weiterhin heftiger Seegang, und in unserer Kabine fällt so Einiges von den Ablagen herunter. 


Ein Alt- 68-ger taucht auf !

Noch ist alles ganz friedlich. Heiligabend eben.



Dann taucht der Weihnachtsmann auf.
Mit lauten "Ho Ho Ho" Rufen begibt er sich mit seinem Gefolge auf die Bühne des prall gefüllten Saales. 

Er ist nicht mehr der Jüngste. Vielleicht hatte er früher einmal den Job eines Demonstranten gegen den Vietnamkrieg, und Onkel Ho war das Idol seiner besten Jahre? 
Begleitet wird er von zwei lahmen Engeln mittleren Alters, die wohl bei Christkinds Jobagentur noch im Restbestand waren.
Er selbst kommt dann aber in Fahrt, verteilt einige Geschenke, die ihm von Herzallerliebsten für Ihre Herzallerliebsten übergeben worden waren. Der Beschenkte wird allerdings von ihm verpflichtet, ein Lied anzustimmen oder ein Gedicht aufzusagen, bevor er mit seinem Geschenk abziehen darf. 
Da auf dem Schiff etliche Wiederholer sind, die-so tönt es manchmal- die Welt schon mindestens 4x mit der Albatros umrundet haben, ist das natürlich für diese Leute eine leichte Übung.
Bevor der Weihnachtsmann, gefolgt von seinen Engeln, die Atlantik Lounge wieder verläßt, wird selbstverständlich noch ein kleiner Witz erzählt...
Dann aber holen ihn die 68-er wieder ein... Ho Ho Ho !!! 
Onkel Ho wird sich in seinem Mausoleum freuen.


3 hübsche junge Frauen singen nun mit wunderbaren Stimmen Weihnachtslieder verschiedener Nationen und schmücken dazu den Baum mit Kugeln der entsprechenden Länder. 
Zum Abschluss der Weihnachtsfeier darf der ganze Saal noch ein paar Lieder singen.
Danach heißt es für das Schiffspersonal die Gläser abzuräumen, während Gottes Personal den provisorischen Altar für die ökumenische Christmette herrichtet.
Erstaunlich viele Menschen sind anwesend, der Ablauf des Gottesdienstes erscheint mir eher katholisch geprägt. Da ich von der anderen Fakultät bin, kann ich mich aber auch irren.
Stehen und Gehen ist mittlerweile schwieriger geworden, nicht wegen zu viel des Altarweines oder der Christmascocktails. Die See ist noch rauher geworden.
Das Geschirr klappert laut im Schrank, der Tannenbaum schwankt ständig in gefährliche Schieflagen.
Die Weihnachtsfeier ist beendet.
Ein Blick in die laute, verräucherte Tanzbar reicht  mir.


Dort toben sich die Engel mit dem Nikolaus aus.  Dabei hatte er uns scheinheilig verkündet, er müsse sich sputen, da er noch 2 weitere Termine habe! 
So ist das heute. Nicht einmal mehr den Worten eines Weihnachtsmannes kann man Glauben schenken.
Ein Engel hat sogar schon seine Flügel eingebüßt. Ob das dann so etwas wie ein gefallener Engel ist?


Der Lokführer hat seine Schicht auch schon beendet. Da gibt es auch für uns nur noch einen Weg: ins Bett.



Bis halb 2 habe ich noch herumgekramt, dann abschnittsweise bis 7 geschlafen, in meinem Kindle geblättert, um gegen halb  9 auf dem holpernden Schiff ein kleines Frühstück einzunehmen.



Mittwoch, 23. Dezember 2015

der Weihnachtstag an Bord

Von Hamburg aus schippern wir in Richtung Lissabon.
Für die Nacht waren ordentliche Winde und Wellen angekündigt. Die haben wir wohl verschlafen. 
Vorsichtshalber habe ich meine Akupunktur- Armbänder angelegt. Man weiß ja nie... Momentan ist Windstärke 4, das spürt man kaum.
Außerdem  haben wir gestern Abend noch die Kabine gewechselt. Nun logieren wir richtig mittig, da soll man am wenigsten vom Wellengang spüren.
Am Morgen sind wir schon vor Holland,


und vorbei ist es mit dem deutschen Festnetz. Ab jetzt gilt es die Bordkasse aufzubessern. 
Die günstige Flatrate für 1 Woche gibt es für 'nur' 250€ !
Man kann aber auch bescheidenere Mengen wählen.
Beim Frühstück am Singletisch gibt es schon Diskussionen. Nicht anders zu erwarten bei 8 weiblichen und einem männlichen Grauschopf.
Der Tisch steht für die Dauer der Fahrt fest, und einige Herrschaften haben auch darauf beharrt, nie ihren Stuhl  wechseln zu wollen. Das dürfe man nicht! Das fängt ja gut an.
Also, so ähnlich wie das Besetzen eine Strandburg für 6 Wochen ist das. Typisch deutsch?
Man kann aber auch draußen an der frischen Luft frühstücken, 


dort kann man sitzen und stehen, wo es einem beliebt. 
Sogar die Sonne kommt raus!


Mittlerweile ist schon wieder Kaffeetrinken angesagt. Ich habe mich lieber hingelegt, habe wohl zu laut mit meiner Seetüchtigkeit geprahlt. Es ist Windstärke 7.

Samstag, 19. Dezember 2015

Es geht los !


Es kann tatsächlich losgehen! Gepackt ist schonmal.


Die Albatros wartet bereits auf uns.




Vor der Abfahrt ist die Sicherheitsübung mit den Rettungswesten Pflicht.




Nun begleitet uns das Lotsenboot aus dem Hamburger Hafen hinaus in das Abenteuer "Seefahrt nach Südafrika".


Der Vollmond lässt sich blicken, am Nachmittag hatten wir auch schon einen Regenbogen. Die Natur meint es gut mit uns.


Jetzt fehlt nur noch das Christkind.